Warum Torf

Torf ist technisch der ideale Substratrohstoff. Es ist ein relativ steriles Material ohne Schadstoffe und Unkrautbesatz, Torf ist leicht und hat zudem eine sehr stabile Struktur, Torf kann sehr viel Wasser speichern, Torf ist nährstoffarm und kann deshalb ideal auf die einzelnen Pflanzen/Kulturpflanzen eingestellt werden, Torf hat einen niedrigen pH-Wert und kann dadurch individuell durch Kalkzugabe optimal justiert werden. Geringe Qualitätsschwankungen sorgen für eine hohe Zuverlässigkeit. Zudem ist Torf in großen Mengen verfügbar und lässt sich leicht transportieren. Sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch aus technischer Sicht also der ideale Rohstoff für den Gartenbau. "Aber Torf ist doch schlecht für die Umwelt" hört man heute oft sagen. Im folgenden möchten wir erklären, was es damit auf sich hat.

 

Umweltaspekt

Typisches Bild in Niedersachsen. Eine Torffläche mit gestochenen Torfsoden.
Typisches Bild in Niedersachsen. Eine Torffläche mit gestochenen Torfsoden.

Torf stammt aus Mooren. Moore sind Feuchtgebiete mit einer charakteristischen Flora und Fauna. Der Wasserüberschuss hält den Boden im Moor sauerstoffarm. Abgestorbenes Pflanzenmaterial kann dadurch nicht vollständig zersetzt werden und lagert sich als Torf ab. So entstanden in den letzten 12000 Jahren in den Moorgebieten Europas massive, bis zu 12 Meter hohe Schichten an Torf. Jedes Jahr lagert sich in einem intakten Moor etwa 1mm Torf ab. Da Pflanzen große Mengen Kohlenstoff speichern, wird Kohlenstoff durch die Torfbildung aus der Atmosphäre im Boden eingelagert. Moore werden deshalb auch als Kohlenstoffspeicher bezeichnet.
Durch den Kontakt mit Sauerstoff wird Torf mit der Zeit vollständig zersetzt und der Kohlenstoff gelangt wieder in die Atmosphäre.
Trocknen Moore also aus, hat dies einen Einfluss auf das Klima. Das Austrocknen kann auf natürliche Weise passieren oder durch den Einfluss von uns Menschen. Durch Gräben kann das Wasser aus den Mooren abgeleitet werden um dadurch die Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen oder um an den Torf zu gelangen. Was viele nicht wissen: Torf wird seit Jahrhunderten als Brennstoff eingesetzt. Dies ist teilweise sogar heute noch so. Im Gartenbau wird Torf dagegen erst seit 60 Jahren eingesetzt. Somit kann der Gartenbau nicht als direkter Verursacher für die Trockenlegung der Moore gesehen werden. Nichtsdestotrotz ist die Forderung nach Torfersatzstoffen im Gartenbau gerechtfertigt.

 

Auf lange Sicht gesehen wird Torf irgendwann knapp und die geringen Aufbauraten stehen riesigen Abbaumengen entgegen. Torf kann damit als endliche Ressource gesehen werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Torf ist also nicht nur unter klimatischen Aspekten unumgänglich, sondern auch um die Vorkommen für die Zukunft zu sichern.

Heute werden übrigens keine Abbaugenehmigungen für intakte Moore erteilt. Die Aussage, dass Torfabbau Moore zerstört, ist somit nicht richtig. Zumindest nicht aus heutiger Sicht. Ganz im Gegenteil haben sich die Torfproduzenten verpflichtet die Torfabbauflächen nach dem Abbau zu rekultivieren und die typische Moorfauna und -flora wiederherzustellen.

Wir als Erdenwerk verarbeiten nach wie vor Torf. Grund dafür sind zum einen die oben genannten Eigenschaften des Materials. Zum anderen gibt es auch bei den Torfersatzstoffen einige Nachteile und Einschränkungen, welche weiter unten ausgeführt werden. Es gibt zwar Substrate und Erden ohne Torf, aber auch hier gibt es einige Kritikpunkte, wie weiter unten beschrieben wird.
Wir achten immer darauf, den Torfanteil möglichst weit zu reduzieren und versuchen die Transportwege durch regional verfügbare Ersatzstoffe gering zu halten. Außerdem legen wir größten Wert darauf, dass unsere Torfe aus nachhaltigem Abbau stammen und eine Rekultivierung der Abbauflächen vorgesehen ist. Es gibt leider keine Lösung von heute auf morgen. Es wird allerdings eine schrittweise Lösung hin zu torffreien Substraten geben. In einigen Bereichen wird Torf aber sicherlich auch in Zukunft noch verwendet werden.

 

Torfersatzstoffe

  • Kompost

Kompost wird schon immer im Gartenbau eingesetzt, da dieser ja auch in den Betrieben anfällt. Aber auch außerhalb ist Kompost überall verfügbar. Allerdings gibt es große Unterschiede in der Beschaffenheit. Für Kultursubstrate kommen eigentlich nur Grünschnittkomposte in Frage. Diese haben geringere Salzgehalte und weniger Schadstoffe.

Durch den relativ hohen Salzgehalt und den hohen Kalkgehalt (pH-Wert) von Kompost, ist der Einsatz von Kompost je nach Qualität auf maximal 20-40% begrenzt.

Viele Gärtner sehen den Einsatz auf Grund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit eher skeptisch.
Zudem schwankt die Qualität je nach Jahreszeit und die Substrate sind etwas unsicherer als reine Torfsubstrate.

Komposte aus Bioabfällen sind für den Einsatz in Substraten nicht geeignet. Diese werden häufig in sogenannte Angebotserden eingemischt, um die Kosten der Rohstoffe und den Preis der Produkte zu senken. Allerdings sinkt dadurch die Qualität der Erden ganz erheblich.

Wir bei Höfter verwenden nur Grünschnittkomposte mit RAL-Zertifikat. Zudem beziehen wir das Material aus der Region.

 

  • Holzfaser

Seit einigen Jahren werden Holzfasern fast von jedem Substrathersteller eingesetzt. Frühere Versuche, Torf durch Holzfaser zu ersetzen scheiterten an der hohen Stickstofffestlegung im Substrat. Da sich die Holzfaser im Substrat mit der Zeit zersetzt werden für die Pflanzen wichtige Nährstoffe gebunden. Die Pflanzen hungern und wachsen schlecht. Dieses Problem hat man durch Stabilisierung teilweise gut in den Griff bekommen. Heute sind Zugaben bis zu 30% nicht unüblich. Die positiven Eigenschaften sind die Nachhaltigkeit sowie die faserige Struktur, die für eine gute Drainage sorgt. Demgegenüber stehen als Nachteile die Zersetzung, die Stickstofffestlegung sowie die geringe Wasserkapazität gegenüber.

Wir bei Höfter setzen Holzfaser sowohl in Substraten als auch in unseren Blumenerden ein. Die Gehalte schwanken zwischen 0 und 30%.

 

  • Rindenhumus

Rindenhumus kommt den Eigenschaften von Torf sehr nah. Rindenhumus hat eine gute Struktur, ausgeglichene Nährstoffe und einen guten pH-Wert.

Allerdings dauert die Rotte von der Rinde zu Rindenhumus sehr lange. Durch den Einzug von Hackschnitzel- und Pelletheizungen werden Holzabfälle wie Rinde zudem häufig verbrannt und sind dann nicht mehr verfügbar.

Den positiven Eigenschaften steht eine schlechte Verfügbarkeit gegenüber. Wir mischen unseren Substraten zwischen 0 und 40% bei.

 

  • Kokosmaterial

Seit einigen Jahren rückt Kokos immer mehr in den Fokus, wenn es um Torfersatzstoffe geht. Das Material das aus den Schalen der Kokosnüsse gewonnen wird, wird häufig auch Cocopeat bzw. Kokostorf genannt. Grund dafür ist, dass sich die Materialien sehr ähnlich sind. Cocopeat wird häufig aber auch kritisiert, da das Material über tausende Kilometer zu uns nach Europa transportiert werden muss. Damit das Material überhaupt einsetzbar ist, muss es mit Süßwasser gewaschen werden, um die pflanzenschädlichen Salzgehalte aus dem Material auszuwaschen. Sauberes Wasser ist eine wertvolle Ressource und in den Ländern der Produktion häufig eh knapp. Zudem können die Arbeitsbedingungen vor Ort nur schwer kontrolliert werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass natürliche Wälder abgeholzt werden um den wirtschaftlich reizvollen Kokosanbau auszuweiten.

Wir bei Höfter sind der Meinung, dass der Einsatz von Kokos unter oben genannten Aspekten keine wirkliche Alternative zu Torf darstellt. Wir haben uns deshalb aktuell gegen den Einsatz von Kokos entschieden.

 

  • Regional verfügbare Rohstoffe wie Reisspelzen, Flachs, Hanfschäben

…sind nur regional und häufig auch saisonal verfügbar und können dadurch nicht als echte Alternative gesehen werden.

 

  • Mineralische Stoffe wie Blähton, Ziegel, Vulkangestein, Bims, Sand, Perlite etc.

…sind ebenfalls nicht immer und überall verfügbar. Manche Rohstoffe wie Ziegel oder Sand sind zudem auch zu schwer, um über weite Strecken transportiert zu werden. Vulkangestein, Bims und Perlite sind zudem ebenfalls endlich und haben häufig vielerlei andere Einsatzgebiete, wodurch eine starke Konkurrenz mit anderen Branchen entsteht, die die Preise für die Rohstoffe in die Höhe treiben.

Mineralische Komponenten werden häufig als Strukturbildner eingesetzt.

Wir bei Höfter setzen seit vielen Jahren auf die Rohstoffe Blähton und Perlite, die ausgezeichnete Eigenschaften besitzen. Zudem setzen wir in unseren Dachgartensubstraten Ziegelgranulat ein.

Wie man sehen kann, gibt es zwar viele verschiedene Torfersatzstoffe, allerdings gibt es keinen, der Torf 1:1 ersetzen kann. Das EINE Substrat der Zukunft wird es nicht geben. Es wird vielmehr eine Vielzahl unterschiedlicher Substrate geben, die sich von Region zu Region und von Einsatzgebiet zu Einsatzgebiet wenig bis stark voneinander unterscheiden. Für einige Einsatzzwecke gibt es aktuell keine absolut vertretbaren Alternativen. Um ganz auf Torf verzichten zu können, ohne das Problem der Nachhaltigkeit nur zu verlagern, wird es nicht nur viel Forschung benötigen, sondern auch ein gesellschaftliches Umdenken sowie eine Veränderung unseres Konsumverhaltens.

 

Was unternehmen wir als Erdenwerk

 

Schon seit es unser Erdenwerk gibt, verwenden wir Torfersatzstoffe aus der Region. Da es bei uns in Bayern keine Torfvorkommen gibt, muss Torf aus Norddeutschland oder dem Baltikum zu uns nach Bayern transportiert werden, was mit erheblichen Kosten verbunden ist. Deshalb setzen wir schon immer auch auf regional verfügbare Materialien wie Kompost, Holzfaser, Rindenhumus, Ziegel und Blähton. Dadurch haben wir viel Erfahrung mit dem Einsatz und Umgang von Torfersatzstoffen sammeln können. Wo es geht und vom Kunden erwünscht ist, setzen wir Torfersatzstoffe ein. Unsere Blumen- und Pflanzerden sind standardgemäß stark torfreduziert. Aktuell arbeiten wir an einer torffreien Pflanzerde. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Rohstoffbeschaffung. Torfersatzstoffe haben oft hohe Qualitätsschwankungen. Nur durch gute Beziehungen zu Lieferanten aus der Region können wir gute Qualitäten sichern und nachhaltige Erden produzieren.

Zum Schluss möchten wir noch eine Lanze für den Gartenbau brechen. Torf war jahrelang ein wichtiger Substratausgangsstoff. Durch den medialen Fokus auf den Gartenbau und die Forderungen nach Verzicht auf Torf wird ein immenser Druck auf die Branche ausgeübt. Die Umstellung auf torfreduzierte oder torffreie Substrate stellt ein großes betriebswirtschaftliches Risiko für die Gartenbaubetrieb dar. Die Kulturverfahren sind in torfreduzierten Substraten anders als in reinen Torfsubstraten. Der Umgang damit muss erst gelernt werden. Fällt einem Gärtner eine Kultur aus, ist das ein Risiko für seine Existenz. Die Pflanzen lassen sich nicht in wenigen Tagen nachproduzieren. Durch Personalmangel, Bonpflicht, Pflanzenpass, Pflanzenschutzauflagen und die billige Konkurrenz aus dem Lebensmitteleinzelhandel haben unsere Gärtner zudem an vielen verschiedenen Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Unterstützen Sie den Gartenbau durch den Kauf regionaler Erzeugnisse bei lokalen Gärtnereien. Kaufen Sie bewusst ein, schätzen Sie das, was Ihr Gärtner tagtäglich für gute Produkte tut und genießen Sie die Vielfalt, die Ihnen dort geboten wird. Ihr Gärtner wird es Ihnen mit nachhaltig und fair produzierten Pflanzen danken. Somit können auch Sie einen Beitrag für eine bessere Zukunft leisten.