Nach den heißen Sommern werden wir häufig mit dem Thema Wasserspeichergranulat konfrontiert. In diesem Beitrag möchten wir deshalb die Pros und Contras zu diesem "Bodenhilfsstoff" diskutieren.

Was ist Wasserspeichergranulat
Wie der Name schon sagt, handelt es sich um ein Granulat, das die Fähigkeit besitzt, besonders viel Wasser zu speichern. Werbeslogans versprechen ein bis zu 300-faches des Eigengewichts. Sprich: 1g Granulat sollten in diesem Fall 300g Wasser bzw. 300ml Wasser speichern.
Die Stoffe werden oft auch als Hydrogele oder Superabsorber bezeichnet und sind synthetisch hergestellte Kunststoffe. Mischt man das Granulat mit Wasser, quillt es auf und speichert Wasser sowie Salze im inneren des entstandenen Gels. Das passiert durch die eine Vernetzung im inneren der Struktur. Die Wurzeln der Pflanzen können das Wasser aus dem Gel wieder aufnehmen.

Klingt interessant?!
Klar, dass sich manch einer in den letzten Sommern sicherlich ein Mittel wie das Wasserspeicherganulat gewünscht hätte. Teilweise musste man mehrmals am Tag gießen damit die Pflanzen nicht vertrocknen. Durch die anhaltende Hitze verdunstete sehr viel Gießwasser über die Pflanzen aber auch direkt aus der Erde. Im Folgenden möchten wir die die bekanntesten Argumente für und gegen das Granulat aufzählen:

PRO Wasserspeicherganulat

Im Privatgarten:

  • Weniger Gießgänge
  • Nährstoffspeicherung
  • Weniger Trockenstress

Speziell in der Landwirtschaft:

  • Nutzung von trockenen Standorten
  • Kann Bodengefüge verbessern
  • Verringerte Ausschwemmung von Nährstoffen

CONTRA Wasserspeichergranulat

Speziell in der Landwirtschaft:

  • Quellung verändert Bodengefüge negativ und kann zu Erosion führen

Generell:

  • Hohe Kosten
  • Verdichtung der Poren im Boden durch Gel kann zu Sauerstoffmangel und Vernässung führen
  • Zu starke Wasserbindung kann dazu führen, dass das Wasser nicht mehr für Pflanzen verfügbar ist
  • Ungeklärte Fragen zu Abbaubarkeit und Toxizität

Fazit:

Besonders der letzte Punkt lässt einen doch stutzig werden. Im Internet findet man zwar viele Erfahrungsberichte über die Anwendung von Wasserspeichergranulat, man findet aber auch Forschungsergebnisse zur Abbaubarkeit und Toxizität der Granulate. Hierbei spielt vor allem der Stoff Acrylamid eine Rolle, welcher als wassergefährdend und giftig eingestuft wird. Ein weiterer Punkt ist die lange Wirkdauer, die von den Herstellern angegeben wird. Wenn das Granulat wirklich über viele Jahre im Boden funktioniert, bedeutet das auch, dass es vom natürlichen Bodenleben schlecht abgebaut wird. Hier kommt die Frage auf, warum dies so ist...
Für uns als Erdenwerk sind das Gründe genug, Wasserspeichergranulat nicht in unseren Erden oder Substraten einzusetzen. Unsere Erden werden häufig auch für den Anbau von Lebensmitteln in Hochbeeten oder bei Tomaten eingesetzt und wir möchten hier niemandem einem unbekannten Risiko aussetzen. Deshalb setzen wir hier auf natürliche Wasserspeicher wie Komposterde oder Torf. Torf ist zwar ebenfalls umstritten, aber "nur" wenn es um die Ökobilanz geht. Dafür ist Torf ein natürliches Produkt, von dem keine Gesundheitsrisiken ausgehen, was für uns als Argument überwiegt.

Sicherlich macht der Einsatz in bestimmten Regionen Sinn, wenn dadurch trockene Standorte für die Versorgung mit Lebensmitteln genutzt werden. Im Privatgarten kann der Einsatz durch gesunde Böden und gute Erden vermieden werden. Und wenn man in heißen Sommern einmal mehr gießen muss, so hat man doch auch wieder einen Grund seinen Garten und die Sonne zu genießen...