Die Ökobilanz unserer Substrate

Was ist die Ökobilanz eigentlich?

Alles was wir tun hat einen Einfluss auf unsere Umwelt. Aktion und Reaktion. Aber nicht nur unser Handeln, auch das Handeln anderer durch uns erzeugt einen Einfluss auf die Umwelt. Am klarsten wird das mit den Produkten, die wir verwenden, wie beispielsweise Lebensmittel, Autos, Energie usw. Betrachtet man alle vorgelagerten und nachgelagerten Prozesse, die zur Herstellung jedes Produktes zusammenhängen, stößt man auf viele unterschiedliche Einflussfaktoren, die man dem Produkt nicht sofort ansieht. Ein Maß den Einfluss auf die Umwelt zu messen ist die Ökobilanz unserer Produkte.

Die Ökobilanz beschreibt sämtliche Einflüsse, die von der Herstellung bis hin zum Verbrauch unserer Produkte entstehen. Beim Errechnen der Ökobilanz werden sämtliche Schritte des Lebensweges eines Produktes durchleuchtet.


Woher haben wir unsere Ergebnisse?

Zur Beurteilung der Ökobilanz von Erden und Substraten wurde 2012 eine umfangreiche Studie vom Beratungsbüro Quantis durchgeführt. Dabei wurden alle Ausgangsstoffe, die für Substrate und Blumenerden verwendet werden können, einzeln betrachtet. Die Stoffe sind im einzelnen Rinde, Kokosmark, Kompost, Torf, Holzfaser und die Exoten Perlit und Reisspelzen. Wir möchten in diesem Beitrag die Ergebnisse in aller Kürze vorstellen. Dabei ziehen wir einige Rückschlüsse auf die Anwendung der Studie für uns als bayerisches Erdenwerk und für den bayerischen Gartenbau.

Da nicht alle Ausgangsstoffe in allen Bereichen des Gartenbaus gleichermaßen angewendet werden können, wurden unterschiedliche Anwendungsbereiche unterschieden. Dazu gehörten u.a. Blumenerden für den Hobbymarkt und die Produktion von Topfpflanzen, wie man Sie in der Gärtnerei kaufen kann.


Der Lebenszyklus von Erden und Substraten

Die einzelnen Schritte des Lebenszyklus unserer Erden sind laut Studie: Produktion der Rohrohstoffe, Lieferung der Rohstoffe, Produktion der Erden, Vertrieb der Erde, Verwendung der Erde, Lebensende.

Der Einfluss der Erden wird auf vier verschiedene Indikatoren verteilt: Diese sind Klimawandel, Ökosystemqualität, Ressourcenverbrauch und menschliche Gesundheit.


Wie wird Nachhaltigkeit gemessen?

  • Einfluss auf das Klima Der Einflussbereich Klimawandel ist dabei konkret der Ausstoß von CO2 und Treibhausgasen. In diesem Bereich schneiden Torf und Kompost schlecht ab. Das ist auf den ersten Blick überraschend, wird Kompost doch immer als nachhaltigster Torfersatzstoff bezeichnet. Da die Studie aber vor allem dem Vertrieb von Kompost einen hohen CO2 Ausstoß zurechnet, muss dies für uns als regionales Erdenwerk differenziert gesehen werden. Regional erzeugter Kompost ist weit weniger Klimaschädlich als Torf, der nur ganz vereinzelt vorkommt und oft weite Strecken zurücklegt, bis er in der Gärtnerei oder im Garten ankommt.
  • Einfluss auf das Ökosystem Der Einflussbereich Ökosystemqualität ist konkret die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten. Dabei ist auch eingeschlossen, wie die Herstellung von Erden den Lebensraum dieser Arten beeinflusst. In diesem Bereich schneiden vor allem Kokosprodukte schlecht ab. Teilweise ist der Einfluss 3 mal so hoch wie der von anderen Rohstoffen.
  • Ressourcenverbrauch Der Ressourcenverbrauch beschreibt den Verbrauch nicht erneuerbarer Energien wie Erdöl. Torf wird ebenfalls als Ressource gesehen, die nicht nachwächst. Logischerweise schneidet Torf damit am schlechtesten ab. Dicht gefolgt von Kompost, was wir aber in unserem Fall wieder differenziert betrachten müssen, da der Einfluss durch den Vertrieb weitaus geringer ausfällt.
  • Einfluss auf die menschliche Gesundheit Der Einflussbereich Menschliche Gesundheit bezieht sich auf die Belastung unserer Gesundheit durch die Substratproduktion. Zum Beispiel durch Emissionen oder Verkehr. Hier ist Kokos und Kompost besonders negativ bewertet. Allerdings fällt ein Groß wieder auf den Vertrieb, der bei regionalen Komposten geringer ausfällt.

Die Ökobilanz der wichtigsten Rohstoffe

Nun gehen wir in Kürze auf die einzelnen Rohstoffe ein und bewerten diese auch in Hinsicht auf unsere Region Bayern:

  • Torf besteht überwiegend aus Kohlenstoff. Zersetzt sich Torf, wird dieser als CO2 frei. Deshalb ist der Einfluss auf den Klimawandel so hoch. Die Zersetzung wirkt sich außerdem auf den Einflussbereich Ressourcenverbrauch aus. Dazu kommt der weite Transport aus den Abbaugebieten im Baltikum oder Norddeutschland und der damit verbunden Schadstoffausstoß und Energiebedarf dazu.
  • Kokosmark hat ebenfalls weite Lieferwege, da das Material aus Indien und Sri Lanka bezogen wird. Dazu kommt der Wasserverbrauch zur Aufbereitung und die Einflüsse der Landnutzung. Den größten Einfluss auf den Faktor menschliche Gesundheit hat der Transport und alles was dazugehört.
  • Der negative Einfluss von Grünkompost ist in den Emissionen durch die Kompostierungsprozesse zu sehen. Der weite Transportweg entfällt, wenn regionale Komposte verwendet werden.
  • Holzfaser und Rinde haben einen sehr geringen Einfluss auf die Ökobilanz unserer Substrate.

Alle anderen Rohstoffe werden auf Grund der geringen Relevanz nicht weiter betrachtet.


Unser Fazit

Unser Fazit zur Studie: Die Studie zeigt in Zahlen, woher und in welcher Höhe die Einflüsse auf unsere Umwelt kommen. Die Studie zeigt auch, dass alle Ausgangsstoffe einen EInfluss auf unsere Umwelt haben. Mit der richtigen Auswahl kann der Einfluss reduziert werden. Allerdings müssen auch immer die ökonomischen und sozialen Aspekte beachtet werden. Pflanzen, die auf Grund schlechter Qualität nicht verkauft werden, werden zumeist vernichtet. Aus wirtschaftlicher sowie aus ökologischer Sicht wäre das das schlechteste Ergebnis. Das Ziel muss also sein, alle Aspekte unter einen Hut zu bekommen.

In vielen Bereichen sind der Vertrieb und der Transport die maßgebliche Einflussgröße. Dies bedeutet, dass regionale Lieferketten diese Einflüsse bereits stark verringern können. Die Studie sagt zudem, dass die Ergebnisse Durchschnittswerte der sich beteiligenden Unternehmen sind und erwähnt explizit, dass die Ergebnisse nicht auf alle Regionen gleichermaßen anzuwenden sind. Verlassen Sie sich also nicht immer blind auf die in Werbung und Zeitungsartikeln verwendeten Zahlen und lesen Sie sich die Studie selbst durch. Zur Erleichterung haben wir die Studie von Quantis heute aus unserer bayerischen Sicht beleuchtet.

Unser Ziel

Ausblick: Seit 2021 enthalten alle unsere Substrate einen Teil bayerischer Grünkomposte. Konkret sind dies mindestens 15% (außer bei Spezialsubstraten wie Moorbeeterde). Dadurch reduzieren wir den CO2 Ausstoß und die weiten Transportwege von einem Teil Torf. Zudem können wir auf die im Kompost enthaltenen Nährstoffe zurückgreifen und benötigen weniger Nährsalze. Ein spezieller Dünger gleicht die Differenzen perfekt aus. Wir möchten den Einsatz von Torfersatzstoffen in den kommenden Jahren auf höhere Anteile ausbauen, soweit dies aus kulturtechnischer Sicht möglich ist. Unser Ziel ist 40% in 2025. Bei unseren Erden für den Hobbyanwender soll der Anteil im gleichen Jahr bei mindestens 50% liegen.

Bei diesen Zahlen geht es uns um den realen Einsatz und nicht um den Durchschnitt der Torfersatzanteile an den Rezepturen.

Dabei haben regional verfügbare Rohstoffe immer die höchste Priorität, auch wenn die ökonomisch die weniger interessante Lösung sein sollte. Im Bezug auf unsere Ökobilanz gehen wir keine Kompromisse ein.


Quellenangabe: